Lang lang ist’s her – der erste und bislang einzige Eintrag meines Blogs! Kreativität für das Schreiben fehlte. Und die Zeit obendrein. Doch nun im tiefsten Winter, wenn einen Kälte und Dunkelheit in die eigenen vier Wände treibt, findet man bei einer Tasse wärmenden Zitronen-Tee doch etwas Muse, um von der letzten fotografischen Exkursionen zu berichten: Der Uracher Wasserfall im Winter.

Der zweite Blogeintrag soll ganz im Zeichen des Winters stehen und dessen schöne Seiten zum Vorschein bringen. Es geht nach Bad Urach, einen kleinen Ort am Fuße der schwäbischen Alb; bekannt für seine heißen Quellen und die malerischen Wanderwege durch das Maisental. Einer dieser Wege soll meinen guten Fotokumpel Marko und mich zu einem besonderen Naturschauspiel führen. Doch mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten.

Marko Knab Uracher Wasserfall im Winter
Marko hat den Fokus!

Unsere Wanderung startet auf dem Parkplatz der Gastwirtschaft „Maisenstübl“. Schnell noch aus dem Kofferraum des Fotografengefährts die Ausrüstung geschnappt, schon geht es los. Die Route ist klar. Wir sind gut gelaunt. Und das Wetter spielt auch mit. Optimale Bedingungen also für gute Fotos. Allein meine Besohlung bereitet mir etwas Sorge, da ich schon auf den ersten Metern des schneebedeckten Wanderweges ins Schlingern gerate. „Hätt ich mir doch nur im Metzinger Outlet ein paar passende Winterstiefel mit ordentlichem Profil gekauft.“ – Das war mein Gedanke nach den ersten 100 Metern. Und der Gedanke sollte mich bis zum Ende unserer Tour begleiten. Denn vor uns lag auch noch ein Aufstieg. … Aber egal! Solange der Kamera und den Objektiven nichts passiert, kann ich mich auch gut und gern mal langlegen. Berufsrisiko. 😉

100 Meter weiter sieht die Welt dann schon ganz anders aus. Ich habe mich mit meinen profillosen Straßenschuhen arrangiert und kann endlich die Natur genießen. Das Tal erstrahlt in weißer Pracht. Es ist ruhig. Zu unserer Rechten erstreckt sich ein kleiner Bach, dessen Plätschern die Ruhe durchzieht. Die Natur schläft. Kahle Bäume, deren Äste sich unter der Last des Schnees biegen, weisen uns den Weg.

Uracher Wasserfall im Winter
Durch Eis und Schnee bahnt sich das Bächlein plätschernd den Weg.

Doch ehe ich im kitschigen Traum eines „Winter Wonderlands“ versinke, gibt mir Marko einen Ruck: „Schau mal da, im Bach – eine Wasseramsel!“ – Tatsächlich! Wir haben erstes Leben in dieser schneeversunkenen Landschaft entdeckt. Zugleich schallt es aber auch schon von hinten: „Grüß Gott!“ – ein Wanderer … So allein, wie wir dachten, sind wir scheinbar doch nicht. Aber das ist uns gleich.

Wir richten unseren Fokus wieder auf die Wasseramsel – und mit Fokus meine ich Kameras! Die Amsel lässt sich von uns nicht stören. Jedoch kommen wir auch nicht nahe genug heran, um mit den fotografischen Ergebnissen zufrieden zu sein. Ein Versuch der Annäherung bringt wenig Erfolg. Die Amsel flüchtet stromaufwärts. Doch noch geben wir nicht auf. Das Zwitschern verrät uns ihr neues Versteck. Und so folgen wir dem kleinen Vogel über mehrere Meter. Schließlich sind die erhofften Bilder im Kasten. Wir beenden das Amsel-Stalking. Doch zu unserem Erstaunen stalkt die Amsel jetzt uns. – Da sag doch mal einer, Tiere wären nicht kamerageil. – Aber genug davon! Wir müssen noch ein Stück erwandern, bis wir unser Ziel erreichen. Es geht also zu dritt weiter …

Wasseramsel Uracher Wasserfall
Unser Reisebegleiter – Die Wasseramsel.

Nach 1,7 Kilometern kreuzt der Wanderweg den kleinen Bach. Eine Holzbrücke liegt vor uns. Sie macht einen recht stabilen Eindruck, ist jedoch komplett mit Schnee überzogen. Mir fallen meine profillosen Straßenschuhe wieder ein. Doch alles geht gut. Wieder einmal! Nur ist die Amsel jetzt weg. Wieso weiß keiner. Ciao Amsel. Und Hallo Ausblick! Denn das Ziel ist nun in Sichtweite. Noch 200 Meter und wir sind da. Davon werden die letzten 50 Meter aber die härtesten: Ein zugefrorener Treppenaufstieg wartet. Mir sind die Widrigkeiten jedoch egal. Ich denke nicht an das Schuhprofil, sondern an die guten Fotos, welche ich hoffentlich gleich machen werde. Und so überwinde ich im Stile einer betrunkenen Bergkatze die letzten Höhenmeter und stehe vor dieser Kulisse:

Uracher Wasserfall im Winter
Der gefrorene Uracher Wasserfall.

Das Ziel unserer Tour: Der Uracher Wasserfall – gefroren durch die Kälten des Winters. Bizarre Eisskulpturen hängen von Felsen herab, an denen sonst Wassermassen tosend herabstürzen. Es wirkt surreal. Magisch. Strahlt Ruhe aus und macht bisweilen nachdenklich. Verweile im Augenblick. Richte deine Kamera aus und banne jene Szenerie auf ein Foto, welche sich dir so kalt und starr darbietet! – Freeze! Das Foto bleibt. Das Eis vergeht.

Uracher Wasserfall im Winter
Eisskulpturen – Der Winter ist ein Künstler.

Ich bin gefesselt von jenem Anblick. Schieße Foto nach Foto aus etlichen Perspektiven und mit verschiedenen Brennweiten. Marko ebenso. Stets darauf bedacht, keinen falschen Schritt zu tun und abzurutschen. Außerdem sieht man es der eisigen Wand schon an, dass bereits das Tauwetter eingesetzt hat. Und so geschieht es auch zum Ende hin, dass ein Teil der Eiswand neben mir herunterbricht. Die gefrorenen Geschosse verfehlen mich jedoch um ein ganzes Stück. Glück gehabt! Hier hat es angeblich auch schon Fotografen erwischt, meint zumindest ein beistehender Wanderer. Dann fassen wir das mal als eine göttliche Warnung auf und strapazieren unser Schicksal nicht allzu sehr. Die guten Fotos sind sowieso schon im Kasten.

Dann treten wir also den Rückweg an. Allerdings merke ich schon auf den ersten Stufen, dass mir die Schritttechnik der betrunkenen Bergkatze für den Abstieg nicht helfen wird. Doch man ist ja erfinderisch: Das Dreibein-Stativ wird kurzerhand zum Gehstock umfunktioniert. Mit Erfolg. Der Abstieg gelingt, wenn auch sehr langsam. Der weitere Rückweg ist hingegen ein Klacks. Die Amsel ward jedoch nie mehr gesehen.

 

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